Die Gedanken springen – ich bin in Jurassic World, erwarte jeden Moment einen Flugsaurier. Wasserfälle stürzen von Bergen und Kliffen hunderte Meter tief hinab, dichter Wald, grün und noch grüner. Monumentale Wälder, wilder Bewuchs… ich staune und staune.
Und plötzlich ein Tunnel. Ich bin in den Mienen von Moria – wo sind die Zwerge, die hier wohnen? Es fehlt nur noch die Lore, die irgendwo hier steht und zu einer rasanten Fahrt durch das Herz des Berges führt. Grelles Licht, geblendet und plötzlich, vor meinen Augen das Auenland. Wo ist Frodo? Täler, grün bewachsen, eins schöner als das andere. Kleine Häuschen, so weit voneinander entfernt, dass man den winkenden Nachbarn kaum sehen kann. Türkisfarbene Bäche, die zu reißenden Gebirgsbächen werden. Schimmernd in tiefem Grün, dann blau, hell, manchmal schwarz und dann wieder türkis-weiß. Atemberaubend.
Es hört nicht auf. „Ist das hier wirklich real“, frage ich mich immer wieder. Aua! Ja scheint so… es geht weiter, wir fahren nach oben, auf Straßen, bei denen man die ganze Zeit den Atem anhält. Passen wir an dem Auto vorbei? uuuhh, eeeng, okay es reicht, puh. Kurzes Aufatmen, gestoppt vom nächsten Panorama. Mir gehen die Filmvergleiche aus. Vielleicht die Hochalpen in noch krasser. So viele Berge, so weit. Gletscher ragen majestätisch in den Himmel. Wir halten, steigen aus, sagen nichts. Drehen uns mehrfach um die eigene Achse, versuchen diese Landschaft zu erfassen. Wow! Mir gehen die Worte aus, um das zu beschreiben, was ich sehe also einfach das Gefühl genießen, ein kleines Licht in dieser wahnsinns schönen Welt zu sein. Der Gedanke, sich für diese Wunder einsetzen zu wollen, sie zu schützen und zu erhalten, kommt mir immer wieder in den Sinn, viel mehr noch als im schönen Esslingen. Konfrontiert mit der Gewalt der Natur, denke ich, wir sollten alle auf diese Gaben besser aufpassen und ich nehme mir vor, noch umweltbewusster und nachhaltiger zu leben.
Die Fahrt geht weiter. Es endet nicht. Auf Bergriesen folgen Massen von Geröll, so viele Steine habe ich noch nie an einem Fleck gesehen. Bergab. Ein Tal, wieder anders, vielleicht bin ich im Land der Elben? Oder doch in einer Naturdokumentation? Aber liegt bei den Elben Schnee? Ein Bergsee taucht vor unseren Augen auf, gefüllt mit treibenden Eisschollen, als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Wir steigen nochmal aus. Zum wievielten Mal heute? Egal, mein Hirn kann nicht mehr denken, es muss zu viel aufnehmen. Das Wasser ist schwarz-blau und so kalt, dass meine Finger direkt protestieren. Also zurück über den Hang zum Auto. Über Moose und Flechten. Foto gemacht und gleichzeitig die Erkenntnis, dass ein Foto das alles hier niemals abbilden kann. Man muss es erleben.
Solche Fahrten hatten wir viele und es ist wahrscheinlich nicht verwunderlich, dass unser Kopf irgendwann gesagt hat, „eeehm, geil aber reicht jetzt – erstmal verarbeiten okay?“.
Es waren Perspektiven wie wir sie noch nie vorher gesehen haben und wir sind dankbar und sehr glücklich, dass wir so viel Glück hatten mit unserer spontan gewählten Route und diese Wunder bestaunen durften.
Jetzt heißt es erstmal runterkommen, verdauen, weiter träumen von Mordor, dem Auenland, Jurassic World,… und, so blöd es klingt, von den Eindrücken erholen. Wir wollen irgendwann wiederkommen, weiter in den Norden ziehen und sind gespannt was uns dann erwartet. Ob bis dahin ein anderes Land diesem das Wasser reichen kann – mal abwarten, aktuell ist das schwer zu glauben.
Ein abschließendes Appell an alle Leser: reist nach Norwegen, im Sommer. Es ist der Wahnsinn!!! Und passt gut auf unsere Erde auf :).








Danke für die vielsagenden Worte und die atemberaubenden Bilder.
Mir kamen die Tränen.